Chinesisches Groß- und Außenhandels-Zentrum in Marl

Durch Klicken auf das Bild starten Sie die Präsentation, die auf der Bürgerinformationsveranstaltung am 23.8.2008 gezeigt wurde

„Handel, Dienstleistungen und kulturelle Angebote sind die Zukunft unserer Stadt, insbesondere, weil wir mit der Schließung der RAG-Zeche vor Jahren unseren letzten wirklich großen Produzenten verloren haben“. Dies hörte ich in den letzten Tagen einen angesehenen, erfolgreichen Bürgermeister unserer Region, nämlich Herrn Pantförder sagen, der für ebensolche Zukunft große Anstrengungen unternimmt. Ich weiß nicht, was der Recklinghäuser Bürgermeister zu einer Chance „chinesisches Außenhandelszentrum“ für seine Stadt gesagt hätte. Ich bin aber sicher, dass Recklinghausen und andere Städte Marl um diese Chance beneiden. Dort würde man mit allen Kräften versuchen, diese Chance zu nutzen. Die aktiven Abwerber hätten dagegen keine Chance.

Marl scheint wieder mal anders zu sein. Das liegt nicht nur an einer Anti-Bürgerinitiative, die mühsam versucht, Resonanz in der Bevölkerung herauszukitzeln. Wir dagegen fragen uns mit vielen anderen Bürgern, die uns ansprechen, kopfschüttelnd, warum man dem Tun der Gegner des Handels-Zentrums  nicht wirkungsvoller entgegentreten kann. Diese große Zahl von Menschen – vielleicht wissen wir es ja wirklich erst nach der Wahl, ob dies die große Mehrheit ist- können es nicht begreifen, dass die Ablehnung einer Wohnnachbarschaft mit z.T. fremdenfeindlichen Argumenten ausgefochten wird. Warum, so fragen sie auch, treten die Parteien, die doch die Kompetenz  haben müssten, die Bedeutung eines solchen Projektes zu erkennen, nicht mutiger für dieses Projekt ein?

Ich glaube zunächst, dass es keine Frage sein darf, dass man zu jedem Projekt eine eigene Meinung haben kann und diese auch äußern können muß. Dies gilt auch unbestritten für die Bürgerinitiative, solange sie nicht zu dumpf und fremdenfeindlich daherkommt. Bürgerinitiativen, die sich meist aufgrund eines einzigen Anliegens (kein Verkehr oder keine wirtschaftliche Tätigkeit in der Nähe ihres Wohnplatzes sind dabei unter den häufigsten Gründen) bilden, haben meist den Segen einer verengten Sicht unter Ausblendung des Gesamtinteresses der Kommunen und aller ihrer Bürger. Natürlich muß man mit den Betroffenen fair umgehen und natürlich muß man auch Kompromisse finden. Eine solche Betroffenheit war bei den  Schlenke-Bewohnern klar erkennbar und man hat eine Lösung für Wirtschaft und für Wohnqualität durch Westerweiterung und Gartenstadt gefunden.

Eine auch nur annähernd vergleichbare Betroffenheit und Problematik ist für die Protestler gegen das Außenhandelszentrum m.E. nicht gegeben. Sie fürchten um den Verlust von Wohnqualität und Wertstellung ihrer Immobilien. Dies wird so nicht eintreten. Muß man dann ein Feuerwerk großangelegter Gegnerschaft mit zum Teil nicht nachvollziehbaren Aggressionen abbrennen? Das übliche Spiel der Bürgerinitiative ist die Drohung mit dem Stimmenentzug bei der Wahl.

Sind die großen Parteien hier nicht Manns genug, dieser Gruppierung auch mal die Stirn zu bieten? Es fehlt an klaren Aussagen. Man eiert herum wie bei der Westerweiterung, die die CDU, weil unfähig, den Bürgern auch mal etwas abzuverlangen, auf dem Altar des Populismus opfern wollte. Es mag in Marl etwas anders sein, aber Ablehnung der Politiker in Deutschland hat vor allem einen Grund: jedem und allen alles zu versprechen (was man natürlich nicht halten kann und was mit totalem Glaubwürdigkeitsverlust endete).

In Bezug auf das China-Projekt kann es nur heißen: klare Kante dafür, alle Möglichkeiten sind auszuloten und die Gesamt-Interessen der Stadt sind durch kluge Vertragsgestaltung zu wahren. Zeigen wir den  Investoren, dass sie in Marl genauso willkommen sind, wie deutsche Investoren, im übrigen auch Marler Unternehmen, im Ausland (ob Becker Mining aus Marl in China wohl je so beschimpft wurde, wie Herr Wang und die Investoren?). Glaubwürdig bleiben und seine Überzeugungen auch furchtlos in Politik und der Öffentlichkeit vertreten.

Herr Dechert: Ich lese heute in der Hauswurfsendung des Stadtspiegels, dass sie der Ansiedlung im Grundsatz positiv gegenüberstehen (Zitat: „keine Frage, sollten die chinesischen Investoren ihre Ankündigungen wirklich umsetzen, dann wäre es für unsere Stadt wahrscheinlich ein Glücksgriff…“). Hätte ich von einem Kaufmann auch erwartet. Ein Kaufmann vermeidet aber, seinem Verhandlungspartner fortwährend Negatives zu unterstellen, weil er weiß, dass er zuallererst auch Formen wahren muß. Dennoch ist Ihre Einstellung jetzt positiv und anders als die der Bürgerinitiative!


Dr. Friedrich Heinrich, Ratsmitglied und Vorsitzender der buergerunion Marl