Ein neues Kraftwerk wird den Chemiepark stärken und trotzdem unsachgemäß kritisiert

Den heutigen Buergerbrief zum Thema Kraftwerke und Umwelt, im Besonderen zum künftigen Bebauungsplan für ein neues Kraftwerk im nördlichen Chemiepark-Gelände, richte ich auch an Sie, sehr geehrte Kollegen von der Grünen-Fraktion. Sie sind bei anderen Themen um Sachlichkeit und Exaktheit bei Analyse und Beurteilung bemüht. Dies ist überwiegend nicht der Fall bei Ihren Äußerungen, die man einerseits in den Ausschüssen (Wirtschafts- sowie Haupt-und Finanz-Ausschuß), andererseits in der Presse vernahm.

 

Insbesondere im letzten Stadtspiegel wird Herr Sandkühler mit Äußerungen zitiert, die der Richtigstellung bedürfen:

Herr Sandkühler hat zur gleichen Zeit wie die anderen Ausschuß-Mitglieder von Herrn Dr. Conrad (Evonik/Steag) die gleichen Informationen zu den Plänen bekommen. Nicht erklärlich, wieso er dann zu folgenden Behauptungen kommt:

  1. Der Ausschuß sei darauf hingewiesen worden, „dass man keine heimische Kohle benutzen werde, weil die Brennkammern auch für die Verbrennung von Giftmüll aus der Chemieproduktion ausgelegt würden. Was dann über die Umwelt abgelassen wird, kann sich jeder vorstellen“. Nein, Herr Sandkühler, müssen wir uns nicht, weil niemand im Chemiepark heute und in Zukunft Sondermüll (oder „Giftmüll“, wie Sie so polemisch wie falsch sagen) in den Kraftwerken verbrennt. Hat im übrigen Herr Dr. Conrad auch nicht gesagt. Ich habe Herrn Wagner im HuFA noch erklärt, dass man unter Einhaltung der Bestimmungen des Bundes-Immissions-Schutzgesetzes in Kraftwerken reine Kohlenwasserstoffhaltige Abgas-/Abfall-Ströme entsorgen darf, die in der Qualität der Kraftwerks-Abgase ihren Auspuff-Abgasen nicht nachstehen, soweit Sie auch einen Katalysator benutzen. Sondermüll darf – auch im Chemie-Park - nur in einer Sondermüll-Verbrennung, die eine entsprechende technische Auslegung besitzt, verbrannt werden (im Übrigen auch unter Wärme-Gewinnung).
  2. Falsch ist auch, dass Dr. Conrad schon im Detail ausgeschlossen hat, dass heimische Kohle in größerem Ausmaß als heute zum Einsatz kommen kann, weil die Planungen (neue Kapazität oder Ersatz etc.) noch nicht akut sind. Was kommt, wird sicher auch davon abhängen, ob sich der Chemie-Park erweitern kann in seiner Kapazität. Gut ist es dann doch (oder?), wenn man schon Planungsrecht geschaffen hat und mit der Realisierung schnell vorwärts kommt.
  3. Das neue Kraftwerk würde in der Nordrichtung nicht näher an das Naturschutzgebiet Lippeauen heranreichen als die jetzigen Kraftwerke im Norden des Chemieparkes. Ich glaube, auch das hat Dr. Conrad und das vortragende Umwelt-Büro Oligmüller klar gemacht, das berichtete, dass natürlich das Genehmigungsverfahren allen gesetzlichen Ansprüchen im Hinblick auf die Biotope genügen wird.
  4. Herr Dr. Conrad hat auch nicht behauptet, dass das neue Kraftwerk die Lippe um weitere 3 Grad erwärmen würde. Er hat nur auf meine Bitte hin (ich hatte die Frage stellvertretend für einen Journalisten gestellt, der kein Rederecht hat im Ausschuß) erläutert, wie sich die Lippe heute durch das Einleiten von Kühlwasser erwärmt (Antwort: ca. 3 Grad Celius).

Ich denke und hoffe, dass die Grünen Ihre Ansichten über die Planungen nun etwas revidieren müssen. Für die zukünftige Diskussion wäre es besser, sich vor Ort einmal zu informieren. Lassen Sie sich doch mal alle Versorgungs- und Entsorgungs-Einrichtungen im Chemiepark erklären und stellen Sie dann kritische Fragen. Kritik nach Information wird glaubwürdiger.

 

Es wird auch dann natürlich zwischen den Grünen und den Verantwortung für Wirtschaft und Ökologie Tragenden immer noch einen Dissenz geben:
Herr Sandkühler hält es für „unverantwortlich heutzutage, Kohlekraftwerke zu bauen, obwohl zukunftsträchtige Alternativen schon zur Verfügung stehen.”(Zitat).
Hier laufen die Einschätzungen nun sehr auseinander. Wind und Sonne sind bekanntlich nützlich, aber nicht immer präsent in unseren Breiten.

 

Es besteht unter den seriösen Fachleuten ein Konsens, dass man auf lange Zeit auf Kohlekraftwerke nicht wird verzichten können. Es gibt sogar heimische Politiker, die meinen, dass unsere Marler Kohle dabei auch wieder eine Rolle spielen kann. Einer davon ist Pfarrer Hartmut Dreier, der für die Marler Grünen Ausschuß-Arbeit leistet. Das wiederum hat uns gefreut.

 

Dr. Friedrich Heinrich, Ratsmitglied und Vorsitzender der buergerunion Marl